Per Kirkeby im Ernst-Barlach Museum

Barlach-Museum Wedel: Per Kirkeby

Quelle: hamburg-magazin.de, 30.10.2012

Die Ernst Barlach Museumsgesellschaft stellt in ihrem Barlach Museum Wedel bis zum 10. Februar 2013 den dänischen Maler, Bildhauer und Dichter Per Kirkeby (geb. 1938 in Kopenhagen) vor. Mit rund 80 Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen von den 1980er Jahren bis in die Gegenwart wird das Verhältnis zwischen Natur und Struktur in seinem Werk thematisiert.

Per Kirkeby – einer der herausragenden europäischen Künstler und der bedeutendste Vertreter der dänischen Gegenwartskunst – studierte von 1957 bis 1964 Geologie in Kopenhagen und schloss sein Studium mit einer Promotion ab. Er unternahm Expeditionen nach Grönland sowie in die Arktis und reiste nach Mittelamerika, um die Kultur der Maya zu erforschen. 1962 trat Per Kirkeby in die von Poul Gernes und dem Kunsthistoriker Troels Andersen 1961 gegründete Experimentelle Kunsthochschule in Kopenhagen ein, besser bekannt unter dem Namen Eks-Skolen. Die Eks-Skolen wurde zum Zentrum avantgardistischer Freigeister und setzte eine antiautoritäre Lehrform voraus. Dort experimentierte Per Kirkeby mit grafischen Arbeiten, Achtmillimeterfilmen und tastete sich an die Installationskunst heran. 1965 erhielt er ein dreijähriges Stipendium an der State Art Foundation. Per Kirkeby wurde mehrfach zur Documenta in Kassel und zur Biennale in Venedig eingeladen. Er lehrte Kunst zunächst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und anschließend an der Städelschule in Frankfurt am Main.

Obwohl Per Kirkeby ausgebildeter Naturwissenschaftler ist, sieht er sich vorrangig als Maler: Ich bin ein Maler, der mit seinem Instinkt malt und stets verführt wird vom Malprozess und von seinen Händen, vom Pinsel und alledem. Jedoch spiegeln sich seine Erfahrungen als Geologe aufs Lebendigste in seinem Schaffen und sind im Werkprozess gegenwärtig. Natur ist ohne Zweifel das primäre Thema in seinen Bildern. Diese wird mit verschiedensten Materialien und Techniken erforscht. In einem langwierigen Malprozess ahmt Kirkeby das Naturgeschehen förmlich nach: Die kraftvollen Farben werden solange Schicht für Schicht neben- und übereinander gelagert, bis Gestein, Gewässer, Erdkruste, verkrüppelte Pflanzenreste und andere Naturelemente im Bild vergegenwärtigt scheinen, ohne dass jedoch deren sichtbare Oberfläche zwingend erkennbar ist.

Die großformatigen, geradezu monumentalen Gemälde des vielseitigen, international hoch geachteten Dänen sind mehr als abstrakte Landschaftsdarstellungen. Voll atemberaubender Schönheit erobern sie den Blick des Betrachters durch satte, leuchtende Farbkombinationen, eine dynamische Pinselführung und einen machtvollen pastosen Farbauftrag.

In den Plastiken erscheint die Gestaltung der Oberfläche vordergründig. Das Motiv ist zwar meist vorgegeben, zum Teil sogar im Titel benannt, wird jedoch vielmehr dem Ausmodellieren der Struktur untergeordnet.

Image: Per Kirkeby, Ohne Titel, 2009, Tempera auf Leinwand, 160 x 100 cm