Jörg Immendorff. "weltfrage" und andere Hauptwerke

22. April - 13. Juni 2009

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Jörg Immendorff
Parlament, 1978
Acryl auf Leinwand
150 x 150 c

Die Galerie Michael Werner präsentiert in Köln zeitgleich zur Eröffnung der Art Cologne eine Ausstellung mit Bildern Jörg Immendorffs. Unter dem Titel ‚„Weltfrage“ und andere Hauptwerke’ sind ca. zwanzig Gemälde zu sehen, die größtenteils dem Frühwerk des Künstlers zuzurechnen sind. In Bildern wie „Mannesmann-Entlassung“ (1976), „Parlament“ (1978), oder „Weltfrage 1“ (1981) kommentiert der Künstler engagiert das damalige politische Geschehen in Deutschland und der Welt. Diese frühen systemkritischen Bilder greifen zum Teil Themen auf, die heute im Zuge der aktuellen globalen Krise zeitgemäßer denn je wirken.

Das titelgebende Bild, „Weltfrage 1“ (1981) stellt die symbolischen Koordinaten des vom eisernen Vorhang geteilten Deutschlands dar: Hammer und Zirkel, beides Bestandteile der Staatsflagge der DDR, stützen gemeinsam mit einem umgestürzten Adler eine Eisscholle, auf der zuoberst eine frühe Version des berühmten „Café Deutschland“-Motivs thront. Gemeinsam ergeben die Bestandteile des Bildes eine Art Brandenburger Tor, das allerdings auf sehr wackeligem Fundament zu stehen scheint. Das Bild spricht von Aufbau und Zerfall, von politischen Akteuren und undurchsichtigen Verstrickungen, und es impliziert den vorprogrammierten Kollaps dieses so anfälligen Systems.

Die Energie, die noch fast 30 Jahre später aus Immendorffs politischen Bildern spricht, hat von ihrer Intensität nichts eingebüßt. Im Gegenteil, als Beispiele einer „neuen Historienmalerei“, deren Vorreiter Immendorff in Deutschland war, wirken die Arbeiten über ihren damaligen Kontext hinaus und sind heute wie damals spannend und aktuell.

Jörg Immendorff wurde 1945 in der Nähe von Lüneburg geboren und starb 2007 in Düsseldorf. Ähnlich wie Otto Dix oder George Grosz zu Anfang des 20. Jahrhunderts nimmt Immendorff eine Außenseiterrolle ein; sein Stil hat keine Nähe zu dem anderer deutscher Künstler seiner Zeit. Dennoch zählt Immendorff unbestritten zu den bedeutendsten deutschen Malern des späten 20. Jahrhunderts. Nach langjähriger und intensiver Internationaler Ausstellungspraxis wurde Immendorff 2006 mit einer großen Retrospektive in der Neuen Nationalgalerie Berlin geehrt. Seine Arbeiten finden sich in fast allen wichtigen Museumssammlungen Zeitgenössischer Kunst, unter Anderem im Kölner Museum Ludwig, in der Hambuger Kunsthalle, in der Pinakothek der Moderne, München, im Van Abbemuseum, Eindhoven, im Kunsthaus Zürich, sowie in der Tate Gallery, London, dem Centre Pompidou, Paris, dem Museum of Contemporary Art, Los Angeles, dem Art Institute of Chicago, der National Gallery of Canada, Ottawa und vielen mehr.