Sigmar Polke

11. Dezember 2009 - 27. Februar 2010

Die Galerie Michael Werner präsentiert in Köln eine Auswahl von über 30 Bildern und Zeichnungen von Sigmar Polke, darunter sieben teils großformatige Gemälde. Rund die Hälfte der gezeigten Werke stammt aus den 1960er Jahren. Insgesamt umfasst die Ausstellung Arbeiten aus vier Jahrzehnten und zeigt mit exemplarischen Werken einen Ausschnitt aus dem vielfältigen Schaffen des Künstlers.

Der 1941 geborene Sigmar Polke gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern der Gegenwart. Sein Werk ist gekennzeichnet von einer Vielzahl an Einflüssen und Inspirationen, darunter ein komplexes Bewusstsein für die Kunstgeschichte, eine kritische Betrachtung des eigenen Status als Künstler, die Lust am Experiment und bedeutendes handwerkliches Können. Phänomene und Widersprüche der Gesellschaft, der Geschichte oder der Malerei kommentiert er teilweise unter Verwendung von Bilderrätseln. Bekannt wurde Polke, als er 1963 zusammen mit Gerhard Richter, Konrad Lueg und Manfred Kuttner den Kapitalistischen Realismus gründete, eine der Pop Art verwandte und stark von Ironie geprägte Kunstrichtung.

Die als Leihgaben aus den Sammlungen Garnatz und Deutsche Bank gezeigten Bilder „Berliner Bäckerblume“ (1965) und „Ohne Titel“ (1985) zeigen exemplarisch, wie Polke in seinen frühen, meist auf trivialen Zeitungsmotiven basierenden Rasterbildern eine Arbeitsweise entwickelt, die er noch bis heute variiert, und für die er berühmt werden sollte. In „Das Haus von Mondrian“ (1994) verwendet er Dekorationsstoff als Bildträger, der gleichzeitig zum Bildmotiv erhoben wird: ein Verfahren, das Polke seit den 1960er Jahren einsetzt und seither in aller Vielseitigkeit ausführt. Seit den 80er Jahren experimentiert Polke unter Anderem mit bleihaltigen Essenzen und reinen Pigmenten. Das unter Verwendung von Silbersulfat, -jodid, nitrat und -bromid auf Nessel gemalte Bild „Ohne Titel“ (1990) ist ein Beispiel für die sogenannten Materialbilder, die Polke den Ruf eines Alchemisten einbrachten: die Leinwand verändert ihre Farbigkeit je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Der Künstler verlagert so den Akzent vom kontrolliert gesteuerten Arbeitsprozess hin zum forcierten Zufall.

Die Zeichnungen und Bilder dieser Ausstellung stellen das weite Spektrum dar, in dem Polke sich zwischen kritischer Gesellschaftsanalyse, ironischen Anleihen aus der Kunstgeschichte und experimentellem Umgang mit Farben und Pigmenten bewegt und stellt seine unterschiedlichen bildgebenden Verfahren in ein offenes und dynamisches Wechselspiel.