SIGMAR POLKE. SCHÜTTUNGEN AUF PAPIER

3. SEPTEMBER - 22. OKTOBER 2016

 
„Kunst, Schein, Künstlichkeit, menschliche Körperbewegung verbinden sich am Nullpunkt von Kunst. Aus (fast) nichts kann alles hervorgehen, wenn Polke „höhere Wesen“ herbeizitiert.“ (Prof. Dr. Siegfried Gohr im Katalog zur Ausstellung) 

Der Michael Werner Kunsthandel freut sich, mit der Ausstellung Schüttungen auf Papier einen besonderen Rückblick auf Sigmar Polkes (1941 - 2010) Werk ab Mitte der 1980er Jahre zu präsentieren. Mit der Unterstützung zahlreicher Leihgeber konnte eine Ausstellung realisiert werden, die selten gezeigte Werke des Künstlers vereint. Gezeigt wird eine Auswahl von 20 Arbeiten auf Papier aus den Jahren 1985 bis 2004, deren experimenteller Charakter auf der Technik des Schüttens, Ausschüttens und Verschüttens von Farbe beruht.

Ab den frühen 1980er Jahren gewann die figurative Kunst in Deutschland zunehmend an Einfluss. Zeitgleich wandte sich Sigmar Polke immer stärker der Abstraktion zu. Das Phantastische, das Realitätsferne, das Unkontrollierbare und der Zufall faszinierten ihn von Beginn an. Polke schüttete Farbe großflächig direkt auf Papier und Karton und versuchte, durch die Bewegung des Bildträgers das Entstehen der Formen zu lenken: „Polke schafft gewollt willkürliche Formen in einem Bildraum, den er geheimnisvoll auflädt. Der Betrachter wird bis zu dem Punkt geführt, wo sein Blick über Linien, amorphe Gebilde oder Verläufe hinausgehen muss in ein Feld neuer Identitäten. Deshalb behaupten sich die Werke wie ein Experiment am Beginn dessen, was Malerei überhaupt sein kann.“ (Prof. Dr. Siegfried Gohr im Katalog zur Ausstellung). Dabei benutzte Polke neben Acryl- und Dispersionsfarben auch Interferenzfarben, mit denen sich auf Papier eine zuvor nicht erreichte Plastizität erzielen ließ. Auf eindrucksvolle Art und Weise spiegeln die einzelnen Arbeiten Polkes untrügliches Gespür für Farb- und Formgebung wieder und offenbaren seinen künstlerischen Erfindungsreichtum. Sie sind Ergebnisse unermüdlicher Materialversuche sowie der ständigen Suche und dem bewusstem Überschreiten von Grenzen: „Polke trieb seine Materialien bis an einen Punkt, wo die Vernunft strauchelt und Dinge beginnen, nicht durch die Voraussicht oder das bewusste Handeln des Künstlers Gestalt anzunehmen, sondern durch nichtrationale Bedingungen wie Schwerkraft, Zufall und das Assoziationsvermögen des Unbewussten.“ (Kathy Halbreich „Alibis: Eine Einführung“ in: Ausstellungskatalog Alibis: Sigmar Polke 1963-2010, Museum Ludwig Köln, 2015) 

Die Zusammenarbeit zwischen der Galerie Michael Werner und Sigmar Polke begann in Köln im Jahre 1970. Es folgten zahllose Ausstellungen in Köln, später auch in den Galerien New York und London, die entscheidend dazu beitrugen, das Werk des Künstlers international zu etablieren. Die Bedeutung des Werks von Sigmar Polke für die Geschichte der deutschen Nachkriegskunst wurde nicht zuletzt durch die internationale Retrospektive Alibis: Sigmar Polke 1963-2010, die 2014/2015 mit großem Erfolg im Museum of Modern Art in New York, in der Tate Modern in London und zuletzt im Museum Ludwig Köln gezeigt wurde, nachdrücklich hervorgehoben. 

Es erscheint ein begleitender Katalog mit einem Text von Prof. Dr. Siegfried Gohr.