JÖRG IMMENDORFF. CAFÉ DEUTSCHLAND

17. JANUAR - 14. MÄRZ 2015

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Jörg Immendorff, Café Deutschland VI - Caféprobe, 1980, acrylic on canvas, 280 x 350 cm

Der Michael Werner Kunsthandel, Köln, freut sich, die Ausstellung JÖRG IMMENDORFF: CAFÉ DEUTSCHLAND anzukündigen. Diese Einzelpräsentation, die zuvor in unserer New Yorker Galerie zu sehen war, ist ein Rückblick auf die zentrale Café Deutschland-Serie, die in dieser Zusammenstellung lange nicht mehr zu sehen war. Immendorffs Begegnungen mit Renato Guttusos monumentalen Werken Das Begräbnis Togliattis (1972) auf der Biennale Venedig 1976 und Caffé Greco (1976) bei der Retrospektive in der Kölner Kunsthalle 1977 führten dem Künstler eine neue Auffassung des künstlerischen Realismus vor Augen. Dieser stand er nicht kritiklos gegenüber und doch führte die Auseinandersetzung zu einer neuen Werkreihe, die ihn über Jahre beschäftigen sollte. Hiermit gelang ihm „der endgültige Durchbruch zu einer Malerei, die realistisch, politisch und doch individuell wurde.“ (Siegfried Gohr, Katalogtext zur Ausstellung)

Immendorff begann 1977 seine Arbeit an den monumentalen, modernen Historiengemälden. Die Serie bedient sich der Metapher eines imaginären Cafés, das zum Schauplatz politischer Spannungen zwischen Ost- und Westdeutschland wird. Das Café ist in seiner Erscheinung inspiriert von den Café-Concerts der 1880er sowie von den politischen Cafés der zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Hier, an diesem fiktiven Ort, werden Grenzen unterlaufen und Gegensätze miteinander verbunden. Immendorffs Café Deutschland zeigt sich als konzeptueller Raum, als Ereignisquelle, wo außen- und innenpolitische Entwicklungen in Form starker ikonographischer Bilder aufeinandertreffen. Die Räumlichkeiten erinnern mitunter an die Diskothek „Revolution“ sowie den „Ratinger Hof“ in Düsseldorf, Lokalitäten, die der Künstler zu dieser Zeit oft besuchte.

1976 fand für die Entwicklung der Serie eine weitere wichtige Begegnung statt: in diesem Jahr begann der enge Kontakt zu A. R. Penck, der zu dieser Zeit in der DDR lebte, und mit Immendorff eine Art künstlerisches Kollektiv bildete, das über die innerdeutsche Grenze hinweg agieren sollte. Beide Künstler beschlossen im Kollektiv „ihre Arbeit in den Dienst der Überwindung der willkürlich errichteten Grenze in Form der Berliner Mauer zu stellen.“ (David Elliott, Katalogtext zur Ausstellung) Durch die Teilung Deutschlands und die somit begrenzten Möglichkeiten fand der Austausch vorwiegend auf gedanklicher und künstlerischer Ebene statt. Immendorff schrieb sowohl sich als auch Penck malerisch in seine Gemälde ein, sodass beide Künstler zum Zuschauer und gleichzeitig zum Teil der chaotischen Szenerien der Café Deutschland-Serie wurden. Obwohl sie sich in grundsätzlich unterschiedlichen politischen Systemen bewegten, fanden sie in der Überwindung der politischen Differenzen und der künstlerischen Isolation ein gemeinsames Ziel. Die frühen Arbeiten der Werkserie zeugen von dem Bestreben, durch Kunst Phänomene des geteilten Deutschland zu überwinden. So verschmelzen kraftvoll Utopie und Wirklichkeit zu einer eigenen, individuellen Mythologie.

Die Café Deutschland-Serie wurde im musealen Kontext erstmals in der Kunsthalle Basel 1979 gezeigt. 1982 war die Werkserie elementarer Bestandteil der Immendorff-Retrospektive in der Düsseldorfer Kunsthalle. Im selben Jahr war ein Teil der Serie auf der Documenta VII zu sehen. Zur Ausstellung JÖRG IMMENDORFF: CAFÉ DEUTSCHLAND im Michael Werner Kunsthandel ist ein reich bebilderter Katalog erschienen, der Texte von David Elliott sowie Siegfried Gohr beinhaltet.