ENRICO DAVID. LIFE SENTENCES

6. SEPTEMBER - 1. NOVEMBER 2014

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Der Michael Werner Kunsthandel, Köln, freut sich, eine Ausstellung mit neuen Arbeiten von Enrico David anzukündigen. Diese Ausstellung mit einem Schwerpunkt auf Skulptur ist das erste Projekt des Künstlers mit Michael Werner in Köln.

„Linien werden gezogen, die Körper zerteilen, aber auch, um unterschiedliche zeitliche Zonen oder Register voneinander abzugrenzen. Und so geht es weiter; geriffelte Linien zeigen an, was noch kommen wird, geätzte Linien für die Gegenwart, und fleckige Linien durchwandern Flecken der Erinnerung, aber alle dem Fleisch eingeschrieben. Zeit, dieses abstrakeste aller Dinge, wird sinnlich.

Stellen Sie sich Knochenformationen auf der Suche nach Nervennetzwerken und Pulsierungen halb erinnerter Zeit vor, die auf eine Verbindung zu Nerv und Knochen warten. In einem solchen Raum ist es nicht leicht, das ganz Zusammengesetzte oder vollständig Menschliche zu finden.

Es gibt eine Figur, die aus den Tiefen der Erde ausgegraben worden sein könnte, aber jetzt mit den Wolken schwebt. Es gibt keinen richtigen Namen für solch ein Wesen, und ganz gewiss keine Matrix innerhalb der Zeit. Vielleicht ein Übergangswesen, eher angesiedelt in dem, was noch kommt. Beschreibt es einen Übergang oder sogar einen Flug, und wenn dem so ist, welcher andere Ort ist das Ziel? Ist es das Herausfinden der Beziehung zwischen Archäologie und Denken?

Bevor wir einen Zustand von etwas erreichen, könnten wir erst den Zustand der Reinheit benötigen, der den Raum der Manifestierung öffnet. Wir benötigen das Gefühl, dass es etwas geben könnte, was das „es gibt“ bestätigt.

Im Fall dieser Skulpturen lässt sich dieser Übergang als etwas denken, was gleichzeitig sowohl zart als auch brutal ist. Zwischen diesen beiden Zuständen gibt es einfach eine Woge, in der Sichtbarkeiten zusammengefügt werden.

Was also haben wir hier: eine Präsentation, eine Ansammlung von Gesten, ein Kraftfeld, einen Tumult der Zurückhaltung, Abstufungen von langsamer Freigabe? Der Gedanke entsteht über den Transport, der in eine abgelegene Grenzregion stattfinden könnte, die das Fremde und Vertraute voneinander trennt. Beim Ankommen könnte es zu spät sein, um zu wissen, was zu wem gehört oder wer zu was gehört. Stattdessen gibt es nur die Einladung, tiefer in den Aufschub des Ortes zu versinken. 

Wir könnten das Bild als etwas denken, das von der Form eingegrenzt wird und das enthält, dafür Überschuss ist, und hier liegt der Wettkampf, zwischen Darstellen und Freigeben. Wenn es eine Polemik in dieser Arbeit zu entdecken gibt, dann ist es die, dass sich die größte Freigabe des Überschusses möglicherweise auf dem Terrain der Intensivierung der Vertrautheit finden lässt.“

Jonathan Miles and Enrico David